Manchmal habe ich das Gefühl, dass es einfach nicht mehr weitergeht. Ich sitze fest, und die Uhr scheint stehen geblieben zu sein. Mir geht es schlecht. Meine Stimmung ist getrübt. Mein Körper scheint ein Eigenleben zu führen. Die Gedanken kreisen nur noch um meine Beschwerden und Befindlichkeiten.
Dann fallen mir all die klugen Sprüche ein, die ich im Laufe meines Lebens gehört habe. „Das geht bestimmt gleich vorbei.“ – „Das hattest du doch schon einmal.“ – „Konzentriere dich auf deinen Atem, dann wird es besser.“ Solche und viele ähnliche Ratschläge habe ich oft gehört. Ich muss gestehen, dass ich manches davon auch selbst anderen Menschen mit auf den Weg gegeben habe.
Auch wenn solche Worte in schwierigen Momenten oft nicht wirklich helfen, sind sie für mich dennoch wertvoll. Sie sind Ausdruck von Anteilnahme und Mitgefühl. Manchmal zeigen sie auch, wie schwer es ist, angesichts von Leid die richtigen Worte zu finden. Dennoch geben sie mir das Gefühl, in meiner schwierigen Situation wahrgenommen zu werden.
Ich glaube nicht, dass es eine gute Strategie ist, gegen das Leiden anzukämpfen. Am Ende wird es meist stärker sein als unser Widerstand. Das Leiden anzunehmen, scheint mir der bessere Weg zu sein.
Doch was bedeutet das konkret?
Mir hat geholfen zu erkennen, dass das Leiden ebenso wie die Freude seinen Platz im Leben hat. Gäbe es kein Leiden, gäbe es auch keine Freude. Ich habe erlebt, dass es selbst im Leiden schöne Momente gibt – Augenblicke der Begegnung, des Austauschs oder der Verbundenheit mit anderen Menschen. Momente, die mich für kurze Zeit von meinen Sorgen ablenken und mich wieder spüren lassen, dass das Leben größer ist als mein Schmerz.
Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass auch das Leiden irgendwann wieder nachlässt. So wie die Freude nicht ewig anhält, bleibt auch das Leiden nicht für immer. Die Freundin des Leidens ist die Zeit. Sie kann Wunden heilen, Leiden verwandeln und manchmal sogar neue Freude hervorbringen.
Dazu braucht es Geduld, Zuversicht und Hoffnung. Sie tragen uns durch schwere Stunden und helfen uns, das Vertrauen nicht zu verlieren. Vielleicht können wir die Hoffnung nicht immer spüren. Doch wir können versuchen, sie zu bewahren – auch dann, wenn wir den Weg vor uns noch nicht erkennen.