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Was unsere Souveränität gefährdet

Souveränität bedeutet, das eigene Leben bewusst zu gestalten. Entscheidungen nicht aus Angst, Gewohnheit oder den Erwartungen anderer zu treffen, sondern aus der eigenen inneren Überzeugung heraus. Doch genau das fällt vielen Menschen schwer. Nicht, weil ihnen der Wille fehlt, sondern weil sie sich selbst nur unzureichend kennen.

Wer ein selbstbestimmtes und freies Leben nach den eigenen Vorstellungen führen möchte, sollte sich selbst kennen. Das klingt selbstverständlich, ist aber vermutlich eine der schwierigsten Aufgaben überhaupt.

Unsere Seele gleicht einem großen Garten. In ihm wachsen wunderschöne Blumen und kräftige Bäume, aber auch Dornen, Unkraut und Pflanzen, die uns die Sicht versperren. Es gibt Bereiche, die wir liebevoll pflegen, und andere, die wir lieber nicht betreten. Hinzu kommen unsere genetischen Voraussetzungen, Erfahrungen aus der Kindheit und transgenerationale Prägungen, die oft unbemerkt weitergegeben werden. All das macht uns zu dem Menschen, der wir heute sind.

Wer seine Talente und Grenzen, Sehnsüchte und Ängste, Verletzungen und Überzeugungen nicht kennt, wird leicht zum Spielball äußerer Einflüsse. Dann bestimmen nicht wir unser Leben, sondern Erwartungen anderer, gesellschaftliche Normen, Werbung, soziale Medien oder alte Glaubenssätze, die wir übernommen haben, ohne sie jemals zu hinterfragen.

Das Gefährliche daran ist, dass wir diese Fremdbestimmung häufig gar nicht bemerken. Wir halten unsere Gedanken für unsere eigenen. Wir glauben, wir hätten uns frei entschieden, obwohl wir lediglich bekannten Mustern folgen. Wir funktionieren, erfüllen Erwartungen und passen uns an. Nach außen mag das erfolgreich wirken. Im Inneren bleibt jedoch oft ein diffuses Gefühl zurück, nicht wirklich bei sich angekommen zu sein.

Souveränität wird deshalb nicht zuerst von äußeren Krisen bedroht. Viel häufiger wird sie durch mangelnde Selbsterkenntnis gefährdet.

Wer sich selbst nicht kennt, kann seine Gefühle nur schwer einordnen. Er verwechselt Angst mit Vorsicht, Anpassung mit Harmonie oder Kontrolle mit Sicherheit. Er reagiert, statt bewusst zu handeln. Er lebt mehr aus Gewohnheit als aus freier Entscheidung.

Selbsterkenntnis bedeutet nicht, auf alle Fragen eine Antwort zu haben. Sie bedeutet vielmehr, neugierig auf sich selbst zu bleiben. Zu erkennen, welche Erfahrungen uns geprägt haben, welche Überzeugungen uns tragen und welche uns begrenzen. Sie beginnt mit einer einfachen, aber oft unbequemen Frage:

Ist das wirklich meine Überzeugung – oder habe ich sie irgendwann übernommen?

Genau hier setzt auch mein Buch Souverän leben an. Es versteht Souveränität nicht als Stärke, die man besitzt, sondern als einen lebenslangen Entwicklungsprozess. Immer wieder geht es darum, sich selbst bewusster wahrzunehmen, innere und äußere Einflüsse zu erkennen und den Mut zu entwickeln, das eigene Leben aus der eigenen Mitte heraus zu gestalten. Souveränität entsteht nicht dadurch, dass wir die Welt verändern, sondern dadurch, dass wir uns selbst immer besser verstehen.

Vielleicht ist genau das der wichtigste Weg zu einem freien Leben: nicht ständig nach neuen Antworten im Außen zu suchen, sondern den Mut zu haben, sich immer wieder dem eigenen Seelengarten zuzuwenden. Dort wächst nicht nur das Unkraut. Dort wachsen auch die Fähigkeiten, die Kraft und die Weisheit, die uns zu dem Menschen machen, der wir wirklich sind.

Souverän zu leben heißt, zu werden, wer man ist. Je besser wir uns selbst kennen, desto weniger bestimmen andere über unser Leben – und desto mehr finden wir den Mut, unseren eigenen Weg zu gehen.

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