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Souverän leben: Wenn es A gut geht, geht es auch B gut

Ich musste mich für einen Tag ins Krankenhaus begeben. Mein Bettnachbar war ein etwa gleichaltriger Mann. Er wirkte mürrisch und ärgerlich. Ständig hatte er etwas zu kritisieren, war unzufrieden mit der Verpflegung und schimpfte über die Mitarbeiterinnen, die seiner Meinung nach unqualifiziert waren. Meist sprach er zynisch über Ärzte, das Gesundheitssystem und vieles mehr.

Nach und nach merkte ich, wie sich diese schlechte Stimmung auf mich übertrug. Hatte er nicht vielleicht recht?, fragte ich mich an der einen oder anderen Stelle.

In meinem Buch Souverän leben beschreibe ich, wie wichtig es ist, die Verantwortung für die eigene innere Haltung zu übernehmen. Genau daran erinnerte ich mich in diesem Moment. Ich wollte mich nicht von den Umständen oder der Stimmung eines anderen bestimmen lassen. Deshalb entschied ich mich bewusst für einen anderen Weg.

Ohne opportunistisch sein zu wollen, war ich freundlich zu den Mitarbeiterinnen, zeigte Verständnis für kleine Fehler, sah den Druck, unter dem sie arbeiten, und vermittelte ihnen meine Dankbarkeit für ihr Engagement.

Schon bald bemerkte ich den Unterschied. Während mein mürrischer Bettnachbar kaum Anteilnahme erfuhr, nahmen die Mitarbeiterinnen sich Zeit für mich, hatten ein offenes Ohr für meine Fragen, und mit kleinen gelegentlichen Scherzen konnte ich sie manchmal sogar zum Lachen bringen.

Ich erkannte: Souveränität zeigt sich nicht darin, dass alles nach unseren Vorstellungen läuft. Sie zeigt sich darin, wie wir auf das reagieren, was uns begegnet. Meine Haltung beeinflusste die Atmosphäre — und die Atmosphäre wirkte wiederum auf mich zurück.

Diese einfache Situation erklärt für mich einen zentralen Gedanken aus Souverän leben: Wer seine innere Verfassung bewusst gestaltet, beeinflusst nicht nur das eigene Wohlbefinden, sondern auch die Menschen in seinem Umfeld. Wenn es mir innerlich gut geht, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass auch mein Gegenüber positiver reagiert. Und diese Reaktion wirkt wiederum auf mich zurück.

Doch funktioniert das immer? Und was ist, wenn es mir selbst wirklich schlecht geht?

Souverän zu leben bedeutet nicht, Schwierigkeiten zu verdrängen oder ständig gut gelaunt zu sein. Es bedeutet vielmehr, die Realität anzunehmen und dennoch handlungsfähig zu bleiben. Gerade in schwierigen Situationen können wir entscheiden, ob wir Verbitterung nähren oder nach Möglichkeiten suchen, konstruktiv mit dem Gegebenen umzugehen.

Wie sähe eine Welt aus, in der mehr Menschen diese innere Verantwortung übernehmen würden? In der Menschen einander mit Freundlichkeit, Empathie, Anteilnahme und Wertschätzung begegnen würden?

Sie würden wahrscheinlich sehr schnell merken, dass sie ein Vielfaches davon zurückbekommen. Das ist zumindest meine Erfahrung.

Deshalb mein konkreter Appell: Probiere es heute noch aus. Begegne mindestens einem Menschen bewusst mit Freundlichkeit, Aufmerksamkeit oder ehrlicher Wertschätzung — gerade dann, wenn dir selbst nicht danach ist. Beobachte, was passiert.

Die Kernbotschaft von Souverän leben lautet: Wir können nicht alles kontrollieren, was uns widerfährt. Aber wir können lernen, unsere Haltung dazu bewusst zu wählen. Die Stimmung, die wir in die Welt tragen, kommt oft zu uns zurück. Wenn es A gut geht, geht es auch B gut — und wenn es B gut geht, profitiert wiederum A. Genau so entstehen positive Kreisläufe. Mach den ersten Schritt und werde selbst zum Ausgangspunkt davon.

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